Hier möchte ich ein paar Korallen vorstellen, die in den letzten Jahren zusammengesammelt habe. An diesen Korallen liegt mir besonders viel. Das liegt zum einen daran, dass sie eine schöne Farbausprägung oder Wuchsform haben, aber auch, weil ich sie schon über einen langen Zeitraum pflege und die Korallen vollkommen an die Haltung im Aquarium akklimatisiert sind. Damit sind sie in ihrer Farbe relativ stabil.


Akklimatisierung

In den Läden und Webshops sehen wir oft Acroporen in den schönsten Farben. Mit drei- oder vierfarbigem Gewebe und einem sehr hellen Basiston. Diese Korallen schreien förmlich „kauf mich“ - aber glücklicherweise halten einen die hohen Preise oft genug davon ab, sich die frisch importierten Schönheiten ins heimische Aquarium zu stellen.

Zu der Farbänderung kommt auch noch eine Anpassung in der Struktur der Koralle. Manche Acroporen, die in der Natur als Tischkoralle wachsen, wachsen erst einmal in die Höhe. Gedrungen wachsende Korallen strecken sich oder anders herum.

Diese Akklimatisierung kann je nach Zustand und Herkunft gerne auch mal ein Jahr in Anspruch nehmen. Insbesondere bei den Australien stammenden Wildbrüchen dauert es in meiner Anlage sehr lange, bis sie richtig stehen und voll im System angekommen sind. Dann sind sie aber um so schöner.

Australische Wildbrüche

Denn die tropischen Schönheiten werden meist nicht ihre Farbe behalten. Eine Ursache dafür ist, dass die Korallen durch den Transport einen Teil ihrer Zooxantellen aus Stress abgestoßen haben und so besonders hell und bunt erscheinen. Das kommt besonders oft bei Importstöcken aus Australien vor. Diese Korallen sind mehrere Tage unterwegs, bis sie zu uns kommen. Und das bedeutet Stress für die Tiere. Die schönen porzellanartig schimmernden Steinkorallen werden in unseren Becken wieder Zooxantellen ansiedeln und eine meist dunklere Farbe annehmen, als die, die sie hatten als wir sie gekauft haben. Das ist in vielen Fällen enttäuschend.

Porcellan aus Fiji

Auch hängt die Farbausprägung der Tiere stark von ihrem natürlichen Habitat ab. Insbesondere Korallen aus Fiji kommen oft in pastelligen Tönen bei uns an. Diese kommen auch in der Natur so vor. Das liegt daran, dass das Wasser in Fiji besonders nährstoffarm ist und die Korallen hier erst gar nicht die Möglichkeit haben, eine hohe Zooxantellendichte zu entwickeln. So schön diese Korallen sind, um so heikler sind sie auch. Die geringe Zooxantellendichte bringt neben ihrer Schönheit auch Probleme mit sich. Das liegt an der Ernährung der Korallen. Während in unseren Becken sich die Steinkorallen zu einem Großteil über ihre Zooxantellen mit den nötigen Nährstoffen versorgen, sieht das in den Gewässern um Fiji anders aus. Aufgrund des besonders sauberen Wassers wachsen kaum Symbiosealgen in der Koralle, so dass sie sich anders ernähren muss. Diese Acroporen nehmen Plankton auf – über die Fangpolypen, wie wir es auch Nachts in unseren Becken beobachten können, aber auch über die Haut.

Korallen aus Fiji kommen meist in sehr hellen Farben bei uns an. Wenn sie sich an das Milieu unserer Becken angepasst haben, sind sie oft kaum wiederzuerkennen.

Stellen wir uns jetzt eine Koralle aus Fiji in unser gut laufendes Meerwasseraquarium, muss diese ihre komplette Ernährungsstrategie anpassen, um in dem künstlichen Milieu nicht zu verhungern. Denn die Mengen an Zoo- und Baktoplankton, die wir im Meer vorfinden, können wir im Aquarium einfach nicht erzeugen. Oft sterben leider die Acroporen aus Fiji, weil sie nicht genügend Ressourcen haben, ihre Verdauungsorgane umzustellen. Wenn sie aber überleben, sehen sie nach der Anpassung ganz anders aus, als die pastellig leuchtenden Tiere, die wir erworben haben. Meist werden sie erst einmal braun, das sie nun aufgrund der anderen Nährstoffsituation die Möglichkeit haben, Zooxantellen einzulagern. Wenn sie sich nun ernähren können, beginnen sie wieder zu wachsen und bringen dabei neue Farben hervor. Welche das sind, kann man im Vorfeld oft nicht genau sagen. Somit sind viele Korallen aus Fiji ein heikles Überraschungspaket.

Hier die Akklimatisierung einer Acropora aus Bali, die schon einige Zeit unter suboptimalen Bedingungen im Händlerbecken zugebracht hat. Gekauft wurde die Koralle im Oktober 2017. Die erste deutliche Veränderung vollzog sich etwa drei bis vier Monate später, bis sie im April 2018 ihre volle Schönheit zurück erlangt hatte.

Solide Farmzuchten aus Bali

Lediglich mit den Farmzuchten aus dem indonesischen Raum habe ich andere Erfahrungen gemacht. Während sich die Importierten Tiere aus Australien und Fiji oft zum Nachteil verändern (sie sind danach immer noch schön, aber eben anders, als man sie gekauft hat), unterscheiden sich die Bali-Nachzuchten. Diese stehen meist voll in Zooxantellen, haben weniger Probleme in der Anpassung an das heimische Aquarium und können ihre Farbausprägung im Vergleich zum Zustand die sie beim Kauf haben, oft noch verbessern.

Fantasievolle Namen

Was bereits bei den Zoas für ein Raunen bei den alt eingesessenen Meerwasseraquarianern geführt hat, hält jetzt auch bei den Acroporen Einzug. Eine Acropora Tumida wird nicht mehr als Enzmann oder eben Tumida angeboten, sondern als Green Slimer oder mit anderen klangvollen Namen.

Darüber kann man sich natürlich aufregen – oder es links liegen lassen. Die Fantasienamen kommen aus der Bredouille heraus, dass Tiere einer Gattung in verschiedenen Farbmorphen daherkommen und die Händler je nach Farbausprägung unterschiedliche Preise aufrufen. Je toller die Namen klingen, desto höhere Preise werden aufgerufen.

Ich habe versucht, mich schlau zu machen, unter welchen Handelsnamen meine Korallen geführt werden und habe es aufgegeben. Es scheint so zu sein, dass jeder (insbesondere amerikanische) Händler jeder Koralle seinen eigenen Stempel aufdrückt und eigene Namen vergibt. Somit gibt es keine eindeutige Zuordnung. Wenn ich jetzt beliebte hochpreisige Händler wie World Wide Corals, Cherry Corals oder Jason Fox als Namesgeber herhalten lasse und meine Korallen in Anlehnung an die von denen vertriebenen Tiere bezeichne – dann habe ich wahrscheinlich schneller einen Anwalt vor der Tür stehen, als mir lieb ist.

Deswegen gibt’s noch einmal mehr eigene Namen. Vorweg stelle ich ein „TK“ für Toms Korallen, dann folgt die lateinische Bezeichnung und noch ein lustiger Name, wenn es nötig sein sollte Farbmorphen voneinander abzugrenzen.