Zu Besuch bei Peter Thalmann

Samstag an Ostern nutzte ich die Gelegenheit den begeisterten Meerwasseraquarianer und Hersteller von LED-Leuchten Peter Thalmann zu besuchen.

Die Welt ist klein. Wie klein sie ist, darauf stößt man manchmal per Zufall. Als ich bei ebay nach einem gebrauchen Abschäumer für meine neue Meerwasseranlage gesucht habe, ist mir bei einem interessanten Gerät der Artikelstandort aufgefallen: Minden. Mein Geburtsort und der Wohnort meiner Eltern. Genauer: Schultenbrink in Meißen, das ist etwa einen Kilometer von meinem Elternhaus entfernt! Und wer hatte den Artikel eingestellt? Peter Thalmann, der Inhaber von Meerwassertechnik.com. Peter ist seit Jahrzehnten begeisterter Meerwasser-Aquarianer und konnte neben dem Online-Shop auf Meerwassertechnik.com sich mit seinen LED-Lampen einen Namen machen. Da ich für meine Anlage selbst eine LED-Lampe gebaut habe, ist mir Peter mit seinen Lampen durchaus bekannt. Aber ich habe nie nachgeschaut, wo er denn her kommt. Jedenfalls musste ich ihn gleich kontaktieren um ihm davon zu erzählen. Da ich Ostern meine Eltern besuchen wollte, habe ich kurzerhand bei Peter angerufen und gefragt, ob es ihm passen würde, wenn ich auf einen Besuch vorbeikommen könne. Wir haben uns dann für Samstag um 15:00Uhr an Ostern verabredet. Nach Hause gekommen bin ich dann erst nach drohenden Anrufen meiner Mutter, wenn ich denn schon mal in Minden sei, solle ich doch wenigstens zum Abendbrot rüber kommen.

Der Empfang bei Peter war herzlich. Seine Frau Claudia öffnete mir die Tür und fragte, ob ich Angst vor Hunden habe. Ich mag Hunde! Daraufhin stürmten zwei Dobermänner auf mich los. Aber die wollten nur kuscheln. Grimm, der Rüde, war mit seinen 12 Jahren schon etwas betagter aber dafür umso verschmuster. Er sollte mir den ganzen Besuch nicht mehr von der Seite weichen. Darauf hin gab es erst mal Kaffee und Kekse.

Wir saßen im Esszimmer und neben dem Esstisch stand sein großes Aquarium. Natürlich wurde das Becken mit seinen LED-Lampen beleuchtet. In einem sehr blaulastigen Licht wuchsen große Korallenstöcke. Peter erzählte, dass ein Bekannter seinen LED-Lampen gegenüber skeptisch war und ihm vor etwa eineinhalb Jahren ein paar Korallenableger mitgebracht habe, die auf dem Boden des Beckens platzier wurden. Wenn diese gut wachsen, würde ihm sein Bekannter eine Lampe abnehmen. Nun, die Stöcke waren inzwischen groß wie Fußbälle und der Bekannte hat seine Lampe bekommen.

Insgesamt dominieren im Becken von Peter SPS. Neben großen Montipora- und Seriatopora-Stöcken fanden sich auch einige schöne Acroporen. Durch ihr Alter hatten manche Korallen, wie etwa eine recht zentral stehende und schön gewachsene Acropora Valida bereits mehrere Kilo an Skelett ausgebildet. Vor nicht all zu langer Zeit habe er den Aufbau des Beckens geändert und viel rausgeschmissen, um eine Riffschlucht zu bilden. Dies ist zwar gelungen, die Korallen waren aber schon wieder im Begriff, den gewonnenen Platz für sich zu nutzen. Bemerkenswert fand ich die Wachstumsspitzen der Montiporen. Eine stahlblaue Montipora Digitata, die in meiner Münchener Zeit wegen ihres starken Wachstums auch gerne als Kalkreaktor-Füllstoff verwendet wurde, zeigte hier centimeterlange schneeweiße Wachstumsspitzen. Auch wenn ich kein besonderer Fan dieser Koralle bin, weil sie enrom viel Kalk aus dem Wasser zieht und mir zu schnell wächst: Solche Wachstumsspitzen habe ich bei dieser Koralle noch nicht gesehen.

 

LEDs

Beleuchtet wurde das Becken mit guten 600W aus 50W-Emittern mit zwei Leuchtfarben. Immer ein blauer und ein weißer Emitter neben einander. Über Geschmack kann man sich ja streiten. Mir wäre die Lichtfarbe viel zu blaulastig - aber Peter mag es so. Bei der Lichtfarbe habe man bei seinen Lampen aber die freie Wahl. Inzwischen habe er verschiedene Emitter im Angebot um auf alle Wünsche eingehen zu können. Bei dem Thema LEDs abgekommen, erzählte Peter, dass sein Online-Angebot inzwischen so gut angenommen wird, dass aus einem anfänglichen Zubrot um die Stromkosten seiner Riff-Anlage zu decken, eine hauptberufliche Tätigkeit geworden ist. Seine Lampen sind mir zuvor nur in Internetforen begegnet, da ich bei der Recherche zu meinem Eigenbau immer wieder über seine Konstruktionen gestolpert bin. Seinem Konzept 50W Emitter zu verwenden, stand ich immer sehr skeptisch gegenüber.

Ein Problem bei der noch recht jungen Technik der LED-Beleuchtung sind Löcher im erforderlichen Licht-Spektrum. Die letzten Lampen von Maxspekt oder GHL versuchen diese durch eine Bestückung mit einer Vielzahl von Emittern, die verschiedene Spektralbereiche abdecken, zu füllen. Die Mitrax von GHL wartet hier mit 9 einzeln steuerbaren Kanälen auf. Vielleicht überflüssig komplex? Zudem haben kleinere Emitter laut Herstellerangabe eine höhere Effizienz, da die Wärme von den Kernen der LEDs durch die größere Oberfläche zum Kühlkörper im Verhältnis zur Diode besser abfließen kann. 

Ich konfrontierte Peter mit meinen Bedenken. Zur Effizienz meinte er, dass sich die Angaben der Hersteller auf Laborwerte und Kerntemperaturen von 25°C beziehen würden. Und diese Temperaturen ließen sich nur erreichen, wenn man die LEDs in flüssigem Stickstoff kühlen würde. Ein in der Praxis äußerst unrealistisches Szenario. Unterm Strich würde er da nicht so viel auf die Differenz in den Angaben zwischen Einzel-Emittern und den Clustern, wie er sie verwendet, geben. Zum Lichtspektrum habe er sich aber auch seine Gedanken gemacht und eine Lösung gefunden.

 

Foto: 50W-Emitter in den verschiedenen Farbtemperaturen. Leider habe ich vor Ort keine Fotos gemacht. Peter hat mir erlaubt, hier Fotos seiner Homepage zu verwenden.

Speziell angefertigte LED-Emitter

Da er einen direkten Kontakt zu einem Hersteller in China besitzt, der große Margen für Industrie-Beleuchtung und Emitter für Straßenlaternen herstellt, konnte er seine Ideen für Emitter einfließen lassen, die speziell für den Einsatz über dem Meerwasseraquarium ausgelegt sind. Als Basis dienen bewährte 50W-Emitter. Hier konnte er in der Produktion Einfluss auf die Phosphor-Beschichtung nehmen. So präsentierte er mir stolz seine Emitter in den Farben von 20k-10k. Allerdings arbeitet er auch an einer neuen Idee, um die bereits angesprochenen Löcher im Spektrum anzugehen. So hat er mit dem Hersteller einen Weg gefunden, auch für kleinere Auflagen Reihen im Emitter-Cluster einer 50W LED unterschiedlich stark mit Phosphor zu beschichten um mehrere Leuchtfarben in einem Emitter zu erreichen. Zudem ließ er die Emitter unterteilen, so dass man zwei Kanäle an einem 50W-Emitter hat, die getrennt von einander geschaltet werden können.

Ein großer Vorteil dieser Cluster-Emitter ist, wie ich finde, die homogene Schattenbildung. Verteilt man verschiedenfabrbige Emitter über eine große Fläche, ergibt sich ein bunt flackernder Schatten-Mix. Dies wirkt dann sehr unruhig und zudem sehr unnatürlich.

 

Werkstatt

Im Anschluss an die Besichtigung der Korallen durfte ich einen Blick in seine Werkstatt werfen. Peter hat den Keller seines Einfamilienhauses in eine komplett eingerichtete Metallverarbeitungs- und Elektronik-Werkstatt umgebaut. Ich bin ja schon stolz auf meinen neuen Werkstatt-Keller aber bei dem Anblick hat es mir den Atem verschlagen. Von Präszisionssägen, Drehbänken bis zu 3D-CNC-Fräsen hat Peter alles da, um die Kühlkörper und Gehäuse seiner Lampen zu fertigen. Es hat mich sehr überrascht, dass er tatsächlich einen Großteil der Bauteile selbst fertigt. Das ist mal eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit dem eigegen Produkt. Natürlich durfte ich auch seine Arbeit begutachten. Die Lampengehäuse sind nicht mit den Gehäusen zu vergleichen, die es sonst auf dem Markt gibt. Auf Fotos im Internet sehen sie zwar wie normale Blechgehäuse aus, dies ist aber nicht der Fall. Die Gehäuse sind aus massiven Platten gearbeitet. So hat eine größere Lampe auch gerne ein Gewicht über 20kg. Man mag sich die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, sich so einen Panzer über das Aquarium zu hängen, aber beeindruckend sind die Geräte allemal.

Peter zeite mir noch eine kleinere Lampe mit zwei 50W-Emittern, die ich sehr interessant finde. Sie hat in etwa die Abmessungen 14x14x10cm, einen exakt eingearbeiteten Ventilator und eine kompakte und massive Bauweise. Leider konnte mir Peter noch keinen Preis für diese Lampe nennen, aber ich könnte mir gut vier dieser Geräte über meinem neuen Becken vorstellen – wenn es meine Regierung freigeben sollte.

 

Erprobungs- und Zuchtanlage

Anschließend ging es noch zu seiner Erprobungs- und Nachzuchtanlage. Hier fanden sich vor allem Ableger der Korallen aus seinem Wohnzimmerbecken. Mit dieser Anlage hat er vergangenen Herbst Pech gehabt. Als er im Urlaub war, wurden durch ein Unwetter die Türen und Fenster zugeweht und es gab einen Hitzestau in der Anlage, der einem Großteil der Korallen das Leben gekostet hat. Als alles wieder gut stand hat er NP-BactoBalance ausprobiert und einen schweren Fehler in der Dosierung gemacht, was wieder zu Verlusten bei den Korallen geführt hat. Wenn er mir das aber nicht erzählt hätte, hätte ich es gar nicht bemerkt, denn die Korallen in der Nachzuchtanlage standen top dar. Alle hatten ein tolles Polypenbild und Wachstumsspitzen. Vielleicht waren einige noch sehr aufgehellt, machten aber insgesamt einen guten Eindruck.

Nach fast vier Stunden angeregter Diskussionen über Korallen, LEDs und die Korallen-Szene bedankte ich mich für einen tollen Samstagnachmittag. Sonntag ging es für uns zurück nach Berlin, wo wir noch auf dem Weg bei Peter vorbei gefahren sind und eine Styroporbox voll Ableger mitgenommen haben.

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