Zu Besuch bei Korallenzucht Potsdam

Es war Wochenende und das Wetter war bescheiden. Was macht ein Meerwasseraquarianer da? Er hantiert an seinem Aquarium oder besucht andere Aquarianer.

Da ich mich in Berlin noch nicht so gut in der Korallen-Szene auskenne, habe ich mich an die Fersen von Gregor Schindler gehängt, der vorhatte, Stefan Pohl zu besuchen. Stefan betreibt eine kleinere Korallenzuchtanlage südlich von Potsdam.

Nach einer etwa halbstündigen Autofahrt von Berlin aus erreichten wir eine Waldsiedlung hinter Potsdam. Etwas abgelegen, dafür aber umso idyllischer. Aber in Sachen Natur muss man auch nicht viel machen, um einen von grauen Bauten umhüllten Großstädter zu beeindrucken. Jedenfalls fuhren wir vor einem kleinen Haus mit großzügig geschnittenem Grundstück vor und wurden als erstes von einem fröhlichen Hund begrüßt. Stefan kam uns winkend entgegen und wir gingen direkt in den Keller des Hauses, wo Stefan seine Zucht aufgebaut hatte.

Die Anlage war noch relativ frisch, da er noch nicht lange in dem Haus wohnte. Die Aquarien verteilten sich über zwei Räume, waren aber zu einem Kreislauf zusammengeschlossen. In einem kleineren nach hinten gelegenen Zimmer befanden sich zwei Becken die u-Förmig an der Wand des Raums entlang gebaut waren. Die Becken waren mit Lichtrasterplatten in zwei Ebenen unterteilt. In der oberen Etage standen Ableger verschiedenster SPS eng an eng. Die Nachzucht-Korallen waren teils noch recht klein, aber deswegen sind es ja Nachzuchten und die brauchten noch ein wenig, bis sie den Besitzer wechseln. Stefan züchtet ein breites Spektrum von verschiedenen Acroporen, Montporen, Seriatoporen etc. Im Großen und Ganzen ein solides Programm. Zudem hatte er ein Becken mit verschiedenen LPS, darunter Bartkorallen, Cynarias, Acanthophyllias, Welsophyllias, Blastomussas und Goniopren. Mir haben es blau schillernde Scheibenanemonen und ein paar giftgrüne Blastomussas angetan, die mir Stefan zu sehr fairen Preisen einpackte.

Im vorderen Zimmer hat Stefan ein größeres Becken aufgebaut, in dem Nachzuchten sowie einige Importstöcke standen. Neben den Korallen sind mir besonders ein paar Fische ins Auge gefallen. Er hatte etwa fünf Pärchen Gelbschwanzdemoisellen im Becken. Da das Becken über eine ausreichende Grundfläche verfügte ermöglichte dies den Fischen, ihr natürliches Verhalten auszuprägen und eine Reihe kleiner aber klar abgegrenzter Reviere zu bilden. Eindringlinge wurden vehement bedroht. Dieses Becken war ein schönes Beispiel dafür, dass diese Fische, wie oft von Händlern angepriesen, keine Schwarmfische sind, sondern in Gruppen von Pärchen leben. Wichtig ist, dass genug Fläche zur Verfügung steht, damit jedes Pärchen sein eigenes Revier abstecken kann. Ist dies nicht möglich, bekämpfen sich die Fische so lange, bis nur wenige Tiere übrig bleiben.

Wie immer, wenn engagierte Aquarianer aufeinander treffen, haben wir uns wieder viel zu lange verquatscht. Wir hatten anregende Diskussionen über die Philosophie, mit der Becken betrieben werden, welche Tiere gepflegt werden können und auch wie er Anfänger vermittelt, wie sie ihre Becken zum Laufen bekommen. Alles in einem war es ein sehr netter Nachmittag und ein Anlaufpunkt mehr, wenn ich in Berlin nach neuen Korallen suche.

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